Michaela Huber Profil

Für ÄrztInnen, Psycho-therapeutInnen und BeraterInnen:

Sonderseminar 2021/2022

Die 3-teilige aufeinander aufbauende Fortbildung zum Thema: Organisierte Ausbeutung, Sadismus und rituelle Gewalt

Zu den Seminaren:

Michaela Huber 1

Erschrecken und Erkenntnis

Seminar 1

Ein größerer Prozentsatz der sogenannten Kinderpornografie und Kinderprostitution sowie der Erwachsenen-Prostitution (meist von Frauen) enthält rituelle Gewalt, also systematische „Zurichtungsformen“, sadistische Folter und ein „Training“ für die Opfer, um sich widerstandslos (weiterhin) ausbeuten zu lassen. Etliche Menschen berichten auch von Misshandlungserfahrungen im Zusammenhang mit angeblich „satanischen“ oder anderen Kult-artigen Ritualen. Und wenn Kinder, Jugendliche bzw. Erwachsene organisierten, sadistischen Formen von Ausbeutung ausgesetzt sind oder waren, besteht die größte Schwierigkeit für sie darin, sich über das i.d.R. mit Todesdrohungen verbundene Schweigegebot hinwegzusetzen und sich wenigstens in Andeutungen HelferInnen anzuvertrauen. Daher sollten alle, die im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in pädagogischen Berufen arbeiten, Grundkenntnisse haben über die Merkmale, die auf solche Formen von Gewalterfahrungen hindeuten. Welche Symptome zeigen die Betroffenen? Welche typischen Formen von Intrusionen (flashbackartige Erinnerungen) schildern sie? Unter welchen Gedanken-, Gefühls- und Verhaltenszwängen leiden sie? Und wenn wir die andere Seite betrachten: Wer sind die Täter(gruppen)? Was ist das überhaupt für eine moderne Form von Sklavenmarkt, die da entstanden ist? Wer sind die Kunden? Gibt es ideologische Glaubensrichtungen, die zu beachten sind? Welche Studien gibt es international zu diesem Thema? Welchen Erinnerungs-Verzerrungen können Betroffene unterliegen? Können wir glauben, was uns die KlientInnen erzählen: ganz, teilweise – gar nicht? Woran könnten wir erkennen, ob das, was berichtet wird, auch tatsächlich stattgefunden haben könnte? Manchmal müssen wir ja im „Doppel-Denk“ handeln: Alles, was wir tun und vorschlagen, muss passend sein – ob die berichteten Verbrechen tatsächlich stattgefunden haben, oder ob die KlientIn sie sich nur ausgedacht hat. Wie können wir da „auf der sicheren Seite“ sein? Gibt es Beweise und wie können wir sie einfordern und trotzdem abstinent sein? Wie bauen wir genügend Vertrauen auf, um mit den Betroffenen erste Schritte aus den zerstörerischen Beziehungen heraus zu planen? Und falls jemand behauptet, schon „ausgestiegen“ zu sein – woran könnten wir es erkennen? Diagnostik und Differentialdiagnostik sowie Prognose: Wer kann es schaffen, erfolgreich aus dem Täterring auszusteigen – und
was könnte danach folgen?

Michaela Huber 2

Arbeit mit der strukturellen Dissoziation bei organisiert ausgebeuteten Kindern / Jugendlichen / Erwachsenen

Seminar 2

Strukturelle Dissoziation bedeutet eine Aufteilung der Persönlichkeit unter hohem Stress. Sie erfolgt nie zufällig, sondern nach bestimmten Funktionen, die dem Überleben dienen. Bei früher Gewalt wachsen die situativ entstanden Verhaltens-Zustände eines Kindes gar nicht erst zusammen, sondern bleiben getrennt. Zusätzlich gilt: bei organisiert ausgebeuteten Kindern werden dissoziative Prozesse durch die professionellen „Ausbilder“ unter den Tätern gezielt ausgelöst, gesteuert und „kodiert“ (mit Namen oder Zahlen und Funktionen versehen). Außerdem entstehen durch Depersonalisations-Erfahrungen Beobachter-Zustände sowie freundliche und hilfreiche innere Anteile, die von den betroffenen Kindern meist sehr tief innerlich versteckt werden, aber in der Beratung/Therapie ausgesprochen wichtig sein können. Daher wird sorgfältige Innenarbeit stets von außen nach innen erfolgen: Mit den (oft relativ ahnungslosen) Alltags-Persönlichkeiten beginnend; diese müssen stabilisiert und stabil gehalten werden, damit die Alltagsfunktionen aufrechterhalten werden können. Gleichzeitig gilt es, behutsam das Vertrauen aufzubauen, dass auch innere abgespaltene Beobachter- und Helferanteile als Ratgeber und „Co-TherapeutInnen“ aufgebaut werden können. Es gilt, die innere gute Intuition, die innere Weisheit sowie eine Vorstellung von einem positiven, selbstregulativen inneren Selbst aufzubauen und zu fördern. Allerdings ist bei noch vorhandenem Einfluss durch äußere Täter sowie dem Agieren der Täterintrojekte ein (oft von allen Beteiligten als quälend langsam erlebtes) behutsames Vorgehen erforderlich, damit die Persönlichkeit nicht weiter auseinanderbricht. Wie fragen wir uns durch das Persönlichkeitssystem hindurch und sammeln Informationen, damit die inneren HelferInnen damit arbeiten können? Was tun, wenn die äußeren TäterInnen den Druck verstärken? Wie kann man sich den typischen Aufbau einer Persönlichkeit vorstellen, die früh „Trainings“ von TäterInnen erhalten hat? Was ist, wenn „Programme“ (systematisch aufgebaute Gedanken-, Gefühls- und Verhaltenszwänge) losgehen? Warum gilt: „Sobald die Täter Sie/Euch wieder haben – kein falsches Heldentum!“ und was bedeutet das für den Ausstiegs-Prozess? Wie können wir charakteristische Programm-Arten und den Aufbau solcher Zwangs-Ketten erkennen und verstehen? Wie arbeiten wir mit täterloyalen und täteridentifizierten Anteilen sowie dem ganzen Persönlichkeitssystem daran, die Gedankenverzerrungen und quälenden, oft selbstzerstörerischen Handlungsimpulse aufzulösen? Was ist überhaupt Deprogrammierung? Und was kommt nach dem Zwang?

Michaela Huber 3

Fortschritte in der Ausstiegs-Beratung bzw. Therapie: Vom Überleben zum „Leben danach“

Seminar 3

Wer über viele Jahre durch Täter(gruppen) fremdbestimmt war, hat es nicht leicht, frei zu sein und sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Und wenn Täter Kapitalverbrechen begangen haben, sorgen sie dafür, dass die Opfer lebenslang an ihre Schweigegebote erinnert werden bzw. immer wieder „zurück“gehen sollen. Wie damit umgehen, dass das Hin und Her viele Jahre dauern kann, auch innerlich? Wie die teilweise großen Schuldgefühle bearbeiten, sich (angeblich oder real) als TäterIn oder MittäterIn beteiligt zu haben? Wie können Betroffene lernen, sich trotz der Dissoziation ein vollständigeres Bild der traumatisierenden Lebenserfahrungen zu machen? Welche Prozess-Techniken können helfen, die teilweise äußerst extremen Misshandlungserfahrungen und die angeblichen bzw. „freiwilligen“ oder erzwungenen Mittäterschaften zu verarbeiten? Wie umgehen mit der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Glauben, ideologischer innerer Heimat? Wie mit der Bitterkeit der Erkenntnis, wer alles was gewusst und bei der Ausbeutung mitgemacht oder davon profitiert hat, wer nicht geholfen hat, welche Verluste es unterwegs an Menschenleben gab? Wie kann der Alltag „danach“ aussehen, gibt es noch externe und interne Gefährdungen, die bearbeitet werden sollten? Welche Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten sind realistisch? Wie viel Stress kann ausgehalten werden, wo bleiben wunde Punkte? Wird aus dem Vielen eines, und wo sind die „Sollbruchstellen“? Wie können Betroffene ihr Potential an Wissen, Kreativität und Klugheit einsetzen – für sich, für andere, für das „Zeugnis ablegen“? Wenn man die Taten nicht „wiedergutmachen“ kann – was kann man sonst tun, zur Kompensation? Welche Selbsthilfeformen, Unterstützungs-Foren, Betroffenen-Netzwerke sind sinnvoll und unterstützenswert, und wo ist Vorsicht geboten?

Informationen und Anmeldung zum Sonderseminar 2021/2022